Report
Ausgabe 09, September 2015


Armenien
Ein solides Haus und Grund zur Freude
Halbfertig und marode ist das Zuhause von Geworgs Familie — und Kleidung ist Luxus

Als Diaconia-Mitarbeiter sind wir tagtäglich mit existenzieller Not konfrontiert. Bei aller Professionalität lassen uns einige Schicksale nicht los, und wir nehmen sie gedanklich mit in unseren Feierabend und ins Wochenende. Und so war es normal, dass wir einen Wochenendausflug dazu nutzten, eine Familie mit acht Kindern zu besuchen, von der wir gehört hatten. Wo wir doch schon mal in der Gegend waren...

Was wir dann vorfanden, war zutiefst erschütternd. Die Familie haust in einem halbfertigen Haus in Jerewan, ohne Türen und Fenster. Die Wände zogen einst Jugendliche hoch, die diese aus einer Geldspende finanzierten. Als die Steine für die Fertigstellung nicht ausreichten, verwendeten sie andere Steine, die nicht zum Hausbau geeignet waren. Nun durchziehen tiefe Risse das Mauerwerk. Als das Spendengeld aufgebraucht war, wurde nicht weiter gebaut. Zu allem Überfluss ist das Haus weder auf die Familie eingetragen, noch wurde der Unterkunft eine reguläre Adresse zugewiesen. Die Stadtverwaltung duldet die Familie, verlangt aber mittelfristig rund 6 000 Franken (5 600 Euro), damit sie dort legal bleiben kann.

Familienvater Geworg (37), arbeitet als Taxifahrer. Da er aber kein eigenes Auto besitzt, hat er mehr Kosten als Einnahmen. Jetzt ist er krank und kann nicht arbeiten. Die Sozialhilfe in Höhe von rund 190 Franken (180 Euro) ist für die zehnköpfige Familie zu wenig. Sie reicht gerade mal für die Medikamente des Vaters und Lebensmittel.


Die Kleinen müssen zu Hause bleiben. Nicht jedes der Kinder hat Kleidung, mit der es zur Schule gehen kann.

Die Familie lebt in einem halb fertiggestellten Haus.

Acht Kinder — das ist eine Vollzeitaufgabe für Mutter Astghik (35): Andranik (16), Mariam (14), Anna (12), Meri (10), Milena (6), Sjusanna (4), Lussine (2), Tatewik (1). Sie benötigen ihre komplette Fürsorge und Aufmerksamkeit. „Ich kann nicht arbeiten gehen“, sagt die Mutter. Gern würde sie ihren Kindern mal einen Wunsch erfüllen oder ihnen zum Geburtstag und zu Weihnachten etwas schenken: „Geburtstage feiern wir erst gar nicht, wir könnten den Kindern ja ohnehin nichts schenken.“

Die kleinen Kinder können nicht in den Kindergarten gehen, weil sie nichts zum Anziehen haben. Nur für die Älteren wird ab und zu etwas besorgt, damit sie den Unterricht in der Schule nicht versäumen. „Bildung ist doch die Grundlage dafür, dass es ihnen mal besser gehen kann“, sagt Astghik.

Wir möchten Geworg und seiner Familie helfen, das Haus fertig zu bauen, eine Wasserleitung zu verlegen und ihnen ermöglichen, dort langfristig zu wohnen. Bitte helfen Sie mit, dass diese Familie mit acht Kindern würdig leben kann und sich nicht vor dem kommenden Winter fürchten muss. Gott segne Sie dafür.


Projekt Nr. 3086, "Ein Zuhause für Geworgs Familie"

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Rumänien
Eine Kindheit für Tavi
Siebenjähriger leidet unter Lungenhochdruck und muss dringend behandelt werden

„Wenn ich neue Lungen habe, wird alles besser“, sagt Tavi und lächelt unsicher. Der Siebenjährige steht auf einer Transplantationsliste — doch diese ist lang, und es wird noch eine Weile dauern, bis sich Tavis Wunsch erfüllt.

So muss der Junge jede Anstrengung vermeiden. Auch die Sonne kann ihm schaden, weshalb er ruhig im Schatten der Hauswand sitzen bleiben muss. Seine beiden Geschwister Florin (5) und Delia (3) spielen auf der Strasse. Immer an Tavis Seite ist Mutter Alina. Die 25-Jährige macht sich grosse Sorgen um ihren Ältesten. „Ich traue mich kaum, wegzugehen. Denn wer weiss, ob Tavi dann nicht mit den anderen herumtollt. Das könnte ihn umbringen“, erzählt sie.

Noch gut kann sich Alina an den Tag erinnern, an dem sie von der Krankheit ihres Sohnes erfuhr. Er wurde zwar schon mit dem seltenen Lungenhochdruck geboren, doch das Leiden blieb zunächst unentdeckt. 2013 brach er plötzlich auf der Strasse zusammen. „Er hatte gehört, wie ein Nachbar von uns musizierte und wollte dorthin laufen. Doch dann brach er zusammen und wurde ohnmächtig. Die anderen Kinder haben mich benachrichtigt. Es war schrecklich, ich habe wirklich gedacht, mein Sohn würde sterben.“

So richtig zum Lachen ist Tavi nicht zumute.

Alina macht sich grosse Sorgen um Tavi und weicht kaum von seiner Seite.

Tavi kam ins Krankenhaus nach Brasov. Doch dort konnte man ihm nicht helfen. So wurde er ins 172 Kilometer entfernte Targu Mures verlegt. Seitdem sollte Alina ihren Sohn eigentlich alle zwei Monate für fünf Tage ins Krankenhaus in Targu Mures bringen, bis er 18 Jahre alt ist. Doch wie soll das gehen? Sie hat kein Geld für den Transport und die Unterbringung im Krankenhaus. Diese würden die Hälfte des Monatseinkommens der Familie verschlingen.

Auch die Medikamente, die Tavi regelmässig nehmen müsste, kann sich die Familie nicht leisten. Das Mittel reguliert den Blutdruck und würde den Jungen stärken. Er könnte dann sogar wieder etwas mit seinen Geschwistern und Freunden spielen.

Die Familie lebt in einem Haus mit nur einem Raum. Tavi teilt sich sein Bett mit seinen Geschwistern. „Der Arzt sagte, er sollte sein eigenes Zimmer haben, um dort ausruhen zu können. Aber wovon sollen wir das Baumaterial bezahlen?“, fragt Alina. Ihr Mann Octavian hatte sogar schon ein Loch für das Fundament eines zweiten Raumes ausgehoben – und dann wieder zugeschüttet, weil die Familie kein Baumaterial kaufen konnte.

Wir möchten die Kosten für Tavis Krankenhausbesuche, die Unterbringung seiner Mutter, den Transport und seine Medikamente für ein Jahr übernehmen. Auch mit Lebensmitteln wollen wir die Familie unterstützen, um Tavi eine bessere Ernährung zukommen zu lassen, die sein Immunsystem stärkt. Bitte helfen Sie dieser Familie durch Ihr Gebet und Ihre Gaben.


Projekt Nr. 3087, "Medizinische Versorgung für Tavi"

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Rumänien
Ein sicheres Zuhause für Familie Florea
Das Haus ist instabil und könnte jederzeit in sich zusammenfallen

„Bildung ist mit das Wichtigste, wenn man im Leben etwas erreichen will“, sagt Daniel Florea voller Überzeugung. „Als Kind war mir das noch nicht bewusst, deswegen besitze ich kaum Bildung und finde keine Arbeit. Aber unseren Kindern soll es später besser gehen, deswegen schicken wir sie zur Schule.“

Daniel (33) und Mariana (30) haben zwei Söhne: Marian (9) und Vlad (7). Die Wohnverhältnisse der Familie spiegeln die fehlende Bildung der Eltern und die damit verbundene Arbeitslosigkeit wider. Daniel besuchte nur zwei Jahre die Schule. Sein Vater arbeitete als Kuhhirt für die Dorf-Farm. Daniel begleitete seinen Vater schon als kleiner Junge zur Arbeit und verliess dann nach zwei Jahren die Schule, um selbst als Kuhhirt zu arbeiten. „Ich war so naiv und habe gedacht, dass ich so mein Auskommen hätte. Doch jetzt gibt es die Dorf-Farm nicht mehr, und ich finde keine Arbeit“, erzählt er kopfschüttelnd. „Heute verkaufe ich Altmetall und sammle Beeren im Wald. Mein Einkommen ist minimal. Wir leben vom Kindergeld und dem wenigen Geld, das ich durch den Verkauf verdiene.“ Mutter Mariana hat die Schule gar nicht besucht und ist ebenfalls arbeitslos.

Die Hütte und der Zaun sind mehr als baufällig.

Daniel und Mariana legen viel Wert darauf, dass ihre Söhne in die Schule gehen.

Deswegen gehen beide Söhne zur Schule. Marian wurde ein Jahr später eingeschult, denn er litt zum eigentlichen Einschulungstermin an Hepatitis. Vlad besucht die erste Klasse. „Schule ist für unsere Kinder Pflicht. Aber wir haben Angst, dass sie es besonders schwer haben werden, denn wir können ihnen nicht helfen“, sagt Mariana.

Wenn man Familie Florea besucht, denkt man, sie hätte gerade gewaschen. Auf dem Zaun hängen dicht nebeneinander Teppiche und Decken. Doch sie bilden den Zaun. Sie sind auf einfachen Holzgerüsten aufgehängt und sollen so der Familie ein wenig Privatsphäre und Schutz geben. Eine Tür sucht man vergebens. Will man ins Haus, muss Daniel Sperrholzplatten beiseite schieben. Das Haus besteht nur aus einem Raum es gibt weder Strom noch fliessendes Wasser. Es wurde aus Holz und Lehm gebaut, das Dach besteht aus einigen alten Planken und Plastikplanen, die durch Steine und Holz beschwert werden. „Eines Tages wird uns unsere gesamte Hütte um die Ohren fliegen“, sagt Daniel.

Wir möchten der Familie zwei Wohncontainerräume einrichten und Daniel Material geben, damit er einen Zaun errichten kann. Auch mit Essen und Kleidung möchten wir der Familie helfen, damit die beiden Jungen und ihre Eltern in einer sicheren und gesunden Umgebung leben können. Bitte helfen Sie dieser Familie durch Gaben und Gebete. Gott segne Sie dafür.


Projekt Nr. 3088, "Sicheres Zuhause für Familie Florea"

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Armenien
Ein Klavier für Meri
Obwohl sehr begabt, muss die Neunjährige stets zurückstecken — zu gross ist die Not

Tamaras (43) Leben ist herausfordernd. Ihr Mann ist behindert, ihr Sohn ebenfalls. Die Tochter ist gesund, muss aber sehr oft, zu oft, zurückstecken. Die Wohnverhältnisse sind sehr schlecht, und auch Tamara ist gesundheitlich angeschlagen. Dennoch lächelt sie und versucht, das Beste aus allem zu machen — für ihre Kinder.

Wir kennen Tamara schon einige Jahre. Ihr behinderter Sohn, Hamlet (7), erhält im Rahmen einer Diaconia-Patenschaft bereits Unterstützung. Doch diese reicht bei weitem nicht aus. Tamara verlor ihre Eltern während des schweren Erdbebens in Spitak und wuchs bei ihrer behinderten Schwester auf. Als junge Frau lernte sie Waleri kennen und heiratete ihn. Waleri ist behindert: Als Junge verlor er bei einem Unfall die Finger der rechten Hand, das rechte Auge und seinen rechten Unterschenkel. Er bekam eine schlecht sitzende, schlecht gepolsterte Prothese, die die Haut über die Jahre stark geschädigt hat. Inzwischen stirbt das Gewebe an Waleris Stumpf ab, mehrere Gangräne haben sich bereits gebildet. Auch Tamara ist nicht gesund. Sie leidet unter Bluthochdruck, Thrombose und einer Neurose. „Aber unsere Gesundheit ist nicht so wichtig“, sagt sie. „Den Kindern soll es gut gehen.“

Der siebenjährige Hamlet leidet an einer zerebralen Bewegungsstörung. Er ist auf Hilfe angewiesen. Nach einer Physiotherapie kann er jetzt aber immerhin stehen und einige Schritte gehen. Dank einer Logopädin kann er auch feste Nahrung zu sich nehmen — bis vor kurzem musste er noch mit der Flasche gefüttert werden. „Wir würden ihn gerne weiter zur Therapie schicken, damit er seine Fertigkeiten vertiefen und neue hinzugewinnen kann. Aber wir können sie nicht bezahlen. Wir leben von Waleris Invalidenrente“, sagt Tamara.


Tamara hofft auf eine weitere Therapie für Hamlet. Die neunjährige Meri kommt wegen der Krankheit ihres Bruders oft zu kurz.

Und dann ist da noch Tochter Meri. Sie ist gesund und aufgeweckt. Sie liebt die Musik, doch die Eltern haben kein Geld, um sie zur Musikschule zu schicken. Ab und zu räumt Waleri Bauabfälle auf und verdient ein wenig dazu. Doch das alles ist nur ein Tropfen auf den heissen Stein. Die Familie lebt in einer Einzimmerwohnung, unter einfachsten Wohnbedingungen. Der Boden ist aus Zement, und es ist ständig feucht und kalt. Das Dach ist undicht, es regnet durch.

Wir möchte die Familie unterstützen: Mit einer Waschmaschine, einem Kühlschrank und der Übernahme der Miete. Und wir möchten Meris Traum erfüllen. Das Mädchen, das immer zurückstecken muss, wünscht sich ein Klavier, auf dem sie musizieren kann. Bitte helfen Sie dieser Familie durch Ihre Spende, und bringen Sie Musik und Hoffnung in Meris Leben.


Projekt Nr. 3089, "Familienhilfe Tamara"

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Armenien / BAZ
Der Schritt in die Selbstständigkeit
Business-Seminar — Absolventen unterstützen sich gegenseitig und tauschen sich aus

„Es ist so wichtig, miteinander zu sprechen und einander Mut zu machen. Als Selbstständiger hat man oft das Gefühl, ein Einzelkämpfer zu sein. Da tut es so gut, zu hören, dass andere Absolventen mit den gleichen Fragen und Problemen konfrontiert werden.“

Hakob, der im BAZ eine Bäckerausbildung gemacht hat, ist gut im Geschäft. Dank des Profihandrührgerätes und des Profi-Backofens, welche er von Diaconia erhalten hat, muss er unternehmerisch keine kleinen Brötchen mehr backen. Hakob ist sehr dankbar für diese Hilfe und sieht seinen Erfolg nicht als selbstverständlich an. „Ich bin so froh, es geht aufwärts, und ich werde immer bekannter.“

Hakob unterstützt Freunde und andere Lehrgangsabsolventen in ihrer Selbstständigkeit mit Tipps und seinen Erfahrungen. „Das ist sehr wichtig. Warum sollte ein anderer nicht aus meinen Fehlern lernen?“ Das ist auch der Gedanke des Business-Seminars, das nun erstmals im BAZ stattgefunden hat. Absolventen verschiedener Lehrgänge trafen sich, unter der Leitung von BAZ-Direktor Sargis Svaryan, zum Austausch. Das BAZ plant einen monatlichen Treff für die Absolventen, um ihre Fragen und Herausforderungen zu besprechen. Geplant sind auch Vorträge von Juristen oder Wirtschaftswissenschaftlern.

BAZ-Direktor Sargis Svaryan leitete persönlich das erste Seminar zur Unterstützung der Selbstständigen.

Aufmerksam verfolgten die Unternehmerinnen und Unternehmer das Business-Seminar im BAZ.

Das Seminar und der geplante Treff haben zudem die Aufgabe, ein Netzwerk aufzubauen. Die Absolventen lernen die anderen Teilnehmerinnen und Teilnehmer und deren Firmen kennen. So kann man sich gegenseitig empfehlen und Kunden vermitteln. Auch Geschäfte untereinander sind möglich. So hat sich beispielsweise PC-Absolventin Karine, die ihre eigene kleine Firma für den Verkauf von Flugtickets gegründet hat und Visitenkarten, Flyer und Kalender entwirft, bereit erklärt, Visitenkarten für Hakob zu gestalten.

Die Unterstützung unserer Absolventen, über die Schule hinaus, ist wichtig. Am Beispiel von Hakob zeigt sich, was ein guter Start bewirken kann. Darauf hofft auch Lilit, Teilnehmerin in der aktuellen Bäcker- und Konditorenausbildung. Sie führt zu Hause individuelle Aufträge aus. Ein Profi-Handrührgerät wäre eine grosse Hilfe für sie, um mehrere Aufträge angemessen ausführen zu können. Für ihre sechsköpfige Familie, für die sie die Hauptverantwortung trägt, spielt diese Einkommensquelle eine wichtige Rolle. Die BAZ-Leitung möchte ihr gerne den Kauf eines Profi-Handrührgerätes ermöglichen. Ein solches Gerät kostet rund 500 Franken (470 Euro). Ermöglichen Sie durch eine Spende Lilit und anderen Absolventen eine gute Grundausstattung. Herzlichen Dank.

Projekt Nr. 3091, "Berufsausbildungszentrum BAZ"

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Jakob Jambazian, GrÜnder von "Armenian Help Center", im Alter von 78 Jahren verstorben


ARMENIEN –Nach langer Krankheit und zwei Schlaganfällen verstarb der Radiomissionar Jakob Jambazian im Alter von 78 Jahren.

Geboren in Jerusalem, als Nachfahre der Generation, die den Völkermord an den Armeniern miterlebte, wuchs er in Palästina und in Jordanien auf. Mit 17 Jahren ging er zur Bibelschule Beatenberg, Schweiz, und studierte dort Theologie. Danach studierte er in Marburg Musik. Ab 1960 produzierte er, zunächst aus dem Libanon, später aus Wetzlar, Deutschland, für Trans World Radio über vier Jahrzehnte lang christliche Radiosendungen auf Armenisch. Später trug er ebenso die Verantwortung für die arabischen, türkischen, kurdischen und persischen Ra-diosendungen.

1988, keine 2 Wochen nach dem verheerenden Erdbeben in Armenien, welches rund 25’000 Opfer forderte und grosse Teile des Landes in Trümmern zurückliess, gründete er die Hilfsorganisation „Armenian Help Center“, die sich Ende der 90er Jahre mit „Diaconia Internationale Hilfe“ zusammenschloss. Durch den langjährigen radiomissionarischen Dienst bestanden unzählige Verbindungen zu allen armenischen Gemeinden, deren Pastor Jakob Jambazian, während der Zeit des Eisernen Vorhangs, über das Radio war.

Dies resultierte in umfangreichen Hilfsaktionen. Durch die guten Kontakte zu den Gemeinden kam die Hilfe stets zielgerichtet bei den tatsächlich Bedürftigen an.

Diese Stationen im bewegten Leben können jedoch nur ansatzweise aufzeigen, was für eine Persönlichkeit Jakob Jambazian war.

Tiefe Hingabe zu Gott, eine starke Bindung zu seiner Heimat Armenien und Bescheidenheit zeichneten Jakob Jambazian aus. Ihm war wichtig, seinen Landsleuten nicht nur „geistliches Brot“ zu geben, sondern ihnen auch tatkräftig in ihren Nöten beizustehen. Bereits während des Bürgerkriegs im Libanon organisierte er viele Hilfslieferungen für die bedrängte armenische Gemeinde im Libanon, welche er, trotz bestehender Lebensgefahr, häufig persönlich begleitete. Um den vielen Verwundeten und Kranken helfen zu können, baute er während der Kriegsjahre in Beirut eine Poliklinik auf.

Nach dem Erdbeben konzentrierte sich die Hilfstätigkeit vor allem auf Armenien. Innerhalb kürzester Zeit baute er eine Hilfs-organisation auf, welche auch durch den Zusammenschluss mit Diaconia unzähligen Armeniern zielgerichtet und effektiv helfen konnte.

Jakob Jambazian komponierte, gemeinsam mit seiner Frau Knar, über 1’000 geistliche Lieder, ein Weihnachts- und ein Osteroratorium, sowie ein Requiem zum Gedenken an den Genozid an den Armeniern 1915. Seine Lieder haben weltweit Einzug in die Gesangbücher der armenischen evangelischen Gemeinden gehalten.

Während des Bürgerkrieges wurden viele der Lieder als Parolen der Verteidigungskräfte des armenischen Viertels genutzt.

Jakobs Lebensleitsprüche lauteten: „Herr, halte mich unter deinem heiligen Blut, welches du am Kreuz für mich vergossen hast“ und „Ich werde bis zur letzten Lebensminute dem Namen Jesu, meines Retters, singen und ihn preisen.“

Jakob Jambazian starb am 16. Juli 2015 in Jerewan im Kreis seiner Familie. Er hinterlässt seine Frau Knar sowie drei Söhne. Anlässlich der Beisetzungsfeier sangen die heute erwachsenen Kinder, die nach dem Erdbeben, nicht zuletzt durch seine Hilfstätigkeit, überleben konnten, seine Lieder.




DEMOS IN JEREWAN

ARMENIEN – Eine Erhöhung der Strompreise war der Anlass, dass im Juni in Jerewan die Menschen auf die Strasse gingen. Der Protest weitete sich jedoch schnell auf andere Themen aus. Es ging um allgemeine Misswirtschaft, Korruption und die Armut im Land. Hinter den Demonstrationen stand die Bewegung „Wotsch Talanin“ (Nein zur Ausplünderung), die schon im vorigen Jahr erfolgreich Proteste gegen eine Erhöhung der Preise für den öffentlichen Nahverkehr organisiert hatte. Obwohl es kaum anti-russische Stimmen gab und nur wenige Europa-Flaggen zu sehen waren, betrachtete die russische Regierung die Demonstrationen mit Misstrauen, nicht zuletzt, weil die Erhöhung der Strompreise von Russland ausging. Die Energieversorgung Armeniens liegt zum grössten Teil in der Hand russischer Firmen und ihrer armenischen Tochterunternehmen. Die armenische Regierung hatte sich schnell bereit erklärt, die Preiserhöhungen aus Steuergeldern zu finanzieren. Dennoch klangen die Demonstrationen erst Mitte Juli ab, da die Grundprobleme im Land, unabhängig davon, bestehen bleiben.



Armenien
Eine Zukunft für Floras Kinder
Flora und ihre Töchter haben viele Herausforderungen zu bewältigen

Während des Sommers ist das Badewasser angenehm warm, weil die Sonne scheint. Doch im Winter bleibt das Wasser kalt, denn einen Gasofen zum Kochen und Erhitzen von Wasser hat Familie Geworgjan nicht. Und es fehlt nicht nur daran — Flora Geworgjan (61) weiss kaum, wo sie mit ihren Erzählungen beginnen soll.

Die Witwe musste ihre sieben Kinder alleine aufziehen. Jetzt lebt sie mit ihrem behinderten Sohn Manuk (21), ihren geschiedenen Töchtern Gajane (34) und Mariam (28) sowie deren insgesamt sechs Kindern in einer Zweizimmerwohnung. Der Mann ihrer Tochter Hripsime (24), sie haben zwei Kinder, leidet unter einer psychischen Erkrankung und ist nicht fähig, seine Familie zu ernähren. Sie müssen jedoch alleine zurechtkommen. „Ich kann sie nicht mehr aufnehmen. Mir bricht es das Herz, doch es geht beim besten Willen nicht“, sagt die 61-Jährige. Auch Tochter Satenik (32) ist alleinerziehende Mutter eines Sohnes. Nur Tochter Ofelia ist glücklich mit ihrem Mann und zwei Kindern.

In der Wohnung gibt es kein Bad, keine Küche, selten Strom und kein warmes Wasser. Das Leben hier ist sehr beengt, und die Familie hat kaum genügend Geld, um zu überleben. „Im Sommer und Herbst sammeln wir Kräuter und helfen bei der Ernte. Aber im Winter leben wir ausschliesslich von der Rente meines behinderten Sohnes und dem Gehalt meiner Tochter. Das reicht nicht aus“, sagt Flora leise.


Nicht alle Familienmitglieder waren zum Fototermin anwesend.

Eine richtige Küche gibt es nicht — die Zweizimmerwohnung ist sehr beengt.

Flora versucht alles, um ihre Familie über die Runden zu bekommen.

Der behinderte Manuk hilft ab und zu beim Aprikosensammeln in einer Plantage. Er besucht die Sonderschule, aber bei schlechtem Wetter bleibt er zu Hause: Er hat keine angemessene Kleidung, um Wetter und Kälte zu trotzen. Manuk kann nicht richtig sprechen. Er bräuchte zudem dringend ein Hörgerät. Und seit Kurzem leidet der 21-Jährige noch unter Krampfanfällen. Für die nötige Untersuchung fehlt der Familie das Geld.

„Um den Kindern zumindest etwas Brot geben zu können, leihe ich mir oft bei den Nachbarn Geld. Doch sie geben uns inzwischen auch nichts mehr, weil ich es kaum zurückzahlen kann“, erzählt Flora und ergänzt traurig: „Der Alltag der Kinder ist so grau und trist. In den Kindergarten können wir sie nicht schicken. Er ist für uns unbezahlbar.“

Wir möchten Flora und ihrer Familie gerne helfen und für sie ein Bad und eine Küche einrichten sowie die Risse in den Wänden der Wohnung abdichten und für eine bessere Stromversorgung sorgen. Zudem möchten wir Manuk ein Hörgerät kaufen und ihm die nötige medizinische Betreuung zukommen lassen. Bitte helfen Sie mit. Herzlichen Dank dafür.


Projekt Nr. 3090, "Generationshilfe Flora"

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MENSCHENHANDEL IN NEPAL

NEPAL – 10’000 bis 15’000 Mädchen werden, nach Schätzungen von Hilfs-organisationen, jährlich aus Nepal verschleppt. Die tatsächliche Zahl kennt niemand. Die meisten landen in Bordellen in Indien, aber auch als Arbeitssklavinnen in Saudi Arabien oder Malaysia. Seit dem Erdbeben und der daraus entstandenen Notlage hat sich das Problem weiter verschlimmert. Dabei ist den Menschenhändlern jedes Mittel recht. Sie versprechen den Familien der Mädchen häufig Arbeit im Hotel für ihre Töchter oder geben vor, sie heiraten zu wollen. Nach dem Erdbeben ist ein weiterer Trick hinzugekommen – sie geben sich als Mitarbeiter von Hilfsorganisationen aus, sogar solchen, die sich gegen Menschenhandel einsetzen, und versprechen den oft obdachlosen Familien, den Kindern ein Dach über dem Kopf zu geben und sie zu versorgen. Die nepalesischen Grenzbehörden achten seit einiger Zeit verstärkt auf potenzielle Menschenhandelsopfer und konnten dadurch so manchem Kind ein Leben in der Sklaverei ersparen.



RUMÄNIEN
Schulmaterial für Raul
Endstation Bahnhof — Die Angst vor Obdachlosigkeit lässt Elisabeta nicht ruhen

„S-T-O-P.“ An den Wänden des Bahnhofs von Brasov stehen viele Nachrichten, und Raul liest die Buchstaben mit leiser Stimme vor. Der Sechsjährige kann schon etwas lesen. Bald kommt er in die erste Klasse. Dass er als Baby auf dem Bahnhof ein paar Nächte verbracht hat, daran erinnert er sich, Gott sei Dank, nicht.

Dass es vielleicht bald wieder so sein könnte, weiss er nicht. Seine Mutter Elisabeta hofft, dass es ihnen erspart bleibt. Für Raul ist der Bahnhof momentan noch ein aufregender Ort, den man besucht, um dann wieder nach Hause zu gehen.

Elisabeta Pataki hat viel erlebt. 1988 traf sie ihren ersten Mann. Doch er stellte sich als gewalttätig heraus. Nach drei Jahren voller Schläge und Missbrauch beschloss sie, ihn zu verlassen. Sie zog an einen anderen Ort und begann als Babysitterin zu arbeiten. Eines Tages, sie wartete vor dem Kindergarten auf die beaufsichtigten Mädchen, stach ihr Ex-Mann sie mit dem Messer rücklings nieder. Sie wurde schwer an der Lunge verletzt und kam ins Krankenhaus. Ihr Peiniger wurde zu sechs Jahren Gefängnis verurteilt.

Elisabeta möchte Raul und seine Schwester davor bewahren, wieder auf dem Bahnhof schlafen zu müssen.

Raul erinnert sich nicht daran, dass der Bahnhof schon einmal sein Zuhause war.

Der Bahnhof: Kein Ort, um dort zu leben.

Raul kann schon etwas lesen.

2003 traf sie den Vater von Raul und Adriana. Doch auch er entpuppte sich im Laufe der Jahre als alkoholkrank und gewalttätig. Druck und Stress wurden so gross, dass Adriana, aus Angst vor ihrem Vater, an Psoriasis erkrankte. Die Situation eskalierte, und Elisabeta fand sich eines Nachts mit ihren Kindern auf der Strasse wieder. Ihr betrunkener Mann hatte sie vor die Tür gesetzt. Ohne Verwandte oder sonstigen Rückhalt übernachteten Mutter und Kinder im Bahnhof von Brasov. „Da beschloss ich, dass meine Kinder ein besseres Leben verdient haben“, erzählt die 47-Jährige.

Schritt für Schritt ging es bergauf: Elisabeta fand eine Arbeit mit einem geringen Verdienst. Es reichte, um ein acht Quadratmeter grosses Zimmer zu mieten und den Kindern ein Dach über dem Kopf zu bieten. Letztes Jahr schloss die Firma jedoch, und Elisabeta verlor ihren Job. Zu allem Überfluss wurde bei Raul ein Herzproblem diagnostiziert. „Ich versuche seitdem, eine neue Arbeit zu finden, aber in Rumänien stellt niemand eine Frau über 40 Jahren ein.“ Inzwischen sind ihre Schulden so hoch, dass ihr Vermieter damit droht, sie auf die Strasse zu setzen.

Wir möchten Elisabeta helfen, und für ein Jahr die Miete sowie die Lebensmittel und Schulsachen für ihre Kinder bezahlen. Zudem möchten wir Raul die nötige medizinische Betreuung zukommen lassen. Bitte unterstützen sie diese akut in Not geratene Familie. Vielen Dank.


Projekt Nr. 3092, "Unterstützung für Elisabeta"

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Artan Metohu, LÄnderleiter Albanien, an Herzinfarkt verschieden

ALBANIEN – Diaconia hat innert kurzer Zeit zwei wichtige Mitarbeiter verloren. Zuerst Jakob Jambazian aus Armenien (Nachruf separat). Und nun, im Alter von nur 57 Jahren, am 27. Juli Artan Metohu, den für Diaconia Albanien Verantwortlichen. Dieser plötzliche Heimgang hat uns tief getroffen. Seinen Angehörigen, allen voran seinen betagten Eltern und seiner Tochter, entbieten wir die herzlichste Anteilnahme. Möge Gott sie in dieser schweren Zeit begleiten und mit seiner Kraft erfüllen!

Der Unterzeichnende war 1973 Gründungsmitglied der Christlichen Ostmission (COM). Nach zehn Jahren Mitgliedschaft im COM-Vorstand widmete er sich anderen Aufgaben. In jener Zeit entstand die „Mission Hinter dem Eisernen Vorhang“, heute Diaconia Internationale Hilfe. Die COM war der Schweizer Zweig von Underground-Evangelism USA – heute Mission Without Borders (MWB). Artan Metohu versah dort wichtige Aufgaben und war u.a. für mehrere Einsatzländer als Supervisor verantwortlich. Mit Artan Metohu und Lois Bass, der Präsidentin von UE, entstand eine tiefe Freundschaft.

1993 sanierten MWB und Diaconia ein Ambulatorium in Maminas (Albanien), das im Beisein des Gesundheitsministers eingeweiht wurde. Artan Metohu diente als Bauleiter. Im Anschluss an die Einweihung wurden wir in die Berge nach Ïshem zu einem völlig maroden Spital geführt. Kurz vor unserer Ankunft war ein Neugeborenes gestorben, weil es an den nötigsten medizinischen Geräten fehlte. Spontan versprachen wir Hilfe. Das Spital wurde 1994 neu aufgebaut. Verantwortlich für die Gesamtleitung war wieder Artan Metohu. Eine erfreuliche Entwicklung unserer Anstrengungen war die massive Reduktion der Kindersterblichkeit.

Als es dann zu verschiedenen Änderungen bei MWB kam, stiess Artan Metohu endgültig zu Diaconia. Gemeinsam bauten wir die Tätigkeit in Albanien auf, über die im Diaconia Report laufend berichtet wird.

Artan Metohu war voller Tatendrang. Am 28. Mai schrieb er uns, dass er kürzlich bergige Gebiete im Nordosten Albaniens bereist habe, Gebiete, die wegen der schlechten Strassen und Wege bisher gemieden worden waren. Um auch Ziegenpfade befahren zu können, wollte er sein normales Auto gegen ein Occasionsfahrzeug mit Vierradantrieb tauschen. Seinem Bericht lagen eindrückliche Bilder bei.

Doch Gott hatte es anders geplant und Artan Metohu heimgerufen.

Hans-Rudolf Hintermann
Präsident Diaconia